Der Großmeister

Wong Kar-Wais The Grandmaster ist eine fulminante Liebeserklärung an das Kung Fu. Vor dem Hintergrund des untergehenden chinesischen Kaiserreichs bis hin ins Hong Kong der 50er Jahre folgt der Film dem Leben des Wing-Chun-Kung-Fu-Großmeisters IP Man, zu dessen wohl bekanntesten Schülern Bruce Lee zählte. Die Kampfszenen gleichen brillant choreographierten Tänzen, ein fliesendes miteinander der Kontrahenten. Der Geist des Kung Fus wird förmlich erlebbar.

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Mit dem bildgewaltigen Epos betreten wir eine märchenhafte Welt als visuell atemberaubende Erfahrung. Eine einzigartige Hommage an die lange Tradition der Kampfkunstfilme. Dabei gibt Wong Kar-Wai seine ihm ureigene feine Handschrift hinzu. Ruhig und behutsam erzählt, wirken die Kampfsequenzen nie vulgär und der Hauch einer Liebesgeschichte zwischen IP Man und seiner Kontrahentin GONG Er flüchtig, unvergleichlich zart und sonderbar schön. Der Kampf wird zum Menuett der Liebenden.

GONG Yutian, der Großmeister aus dem Norden, hat den Entschluss gefasst in den Ruhestand zu treten und neben seinem Adoptivsohn, den er als seinen Nachfolger auserkoren hat, beschließt er ebenfalls einen Großmeister im Süden auszuwählen. Ein Wettstreit zwischen den besten Kämpfer des Südens beginnt, aus dem IP Man, der Perfektion seiner Kampfkunst – des Wing Chun – wegen, als Sieger hervorgeht. Es kommt soweit, dass sogar Großmeister GONG selbst IP Man in einer Prüfung unterliegt. Um die Familienehre zu retten, fordert GONGs schöne Tochter Er, ihrerseits eine virtuose Kämpferin, IP Man zum Kampf heraus.

Zur gleichen Zeit bricht der japanisch-chinesische Krieg aus und jeder einzelne von ihnen muss bald erkennen, dass die Realität viel grausamer sein kann als die Welt der Kampfkünste.

Leider lassen sich einige inhaltliche Mängel nicht vergessen machen, wobei manche Figuren enthusiastisch anerzählt werden um sich bald wieder in interessanteren Erzählsträngen gänzlich zu verlieren. Doch wer die behutsame Darstellung der Vielfalt des chinesischen Kung Fus erkennt und sie als ehrfürchtige Verbeugung vor einem eigenständigen Genre zu verstehen weiß, der wird das Kino verlassen mit dem Gefühl gerade bei etwas Traumhaftem zugegen gewesen zu sein.

Mit Wong Kar-Wais Film wird ein China wiedererweckt, das sich von dem heutigen grundlegend unterscheidet. Eine Welt, in der Familien die Traditionen ihrer Ahnen sorgsam pflegten und sie demütig an ihre Nachkommen weitergaben. Dieses China fällt in den Wirren vor dem Zweiten Weltkrieg und geht in der damaligen Form unter.

Damit stellt Wong Kar-Wai die in ähnlichen Filmen oft eher unrealistisch wirkende Welt des Kung Fus in den Bezug zur Realität und die Kämpfer als Menschen dar, die zwar nie im Kampf unterliegen, aber an der Wirklichkeit zerbrechen.

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„Großes Kino“ gegen Fremdenfeindlichkeit & Intoleranz!

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Mit den Spendengeldern initiiert der Verein öffentliche Kampagnen im Kino, TV oder auf Plakaten, die für Zivilcourage werben und die von zahlreichen Prominenten unterstützt werden.

Das Filmportal Flimmer.de wurde im vergangenen Jahr unter anderem von den Regisseuren Roland Emmerich und Marco Kreuzpaintner mitgegründet.

Und so funktioniert Flimmer.de: Eingebettet in ein unterhaltsames Trailerquiz wird dem Nutzer am Ende eines jeden Filmtrailers eine Frage zum Inhalt gestellt. Beantwortet der User diese richtig, so werden ihm bis zu virtuelle 10 Cent auf seinem Konto gutgeschrieben.

Hat er dann über die Zeit hinaus ausreichend Guthaben gesammelt, so kann er dieses an die Initiative Gesicht Zeigen! spenden oder in Kinotickets und DVDs umtauschen.

 

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The Purge – Die Säuberung

Unerträgliche Höllenqualen gehören ja irgendwie zu jedem guten Horrorfilm, aber wenn man während eines Filmes alles dafür geben würde mit den gerade Ermordeten zu tauschen, weil es diese endlich hinter sich haben, ist da womöglich etwas schief gelaufen…

Es hätte alles so schön sein können: Bei etwas Popcorn und einer kühlen Cola dabei zuzusehen, wie eine unschuldige Familie von irgendwelchen ambitionierten Wahnsinnigen auf kreative Art massakriert wird. Doch nichts da, bei den Machern von The Purge – Die Säuberung handelt es sich offensichtlich um waschechte Künstler, die sich dranmachen, ihre ideenlose Abschlachtorgie in den Dienst einer übergeordneten Relevanz zu stellen. Spätestens in der Mitte dieses erbärmlichen Fiaskos angelangt, wünscht man sich nichts sehnlicher als schnellstmöglich eine von diesen herumfliegenden Macheten abzubekommen.

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Im Jahre 2022 ist die Armut in den USA auf einem historischen Tiefpunkt angelangt, Arbeitslosigkeit vergessen und Gewalt nahezu eine Randerscheinung. Die Rettung: An einem Tag im Jahr darf man seine Nachbarn, Bedürftige oder diejenigen gegen die man einen Gräul hegt, fröhlich hinrichten, ohne dafür strafrechtlich verfolgt zu werden. Klingt plausibel, schließlich habe die jährliche Aggressionsbewältigungsmaßnahme eine ganz beruhigende Wirkung auf die Menschen, die an den restlichen Tagen friedlicher und zufriedener sind – na klar, was sonst. Morden für das Allgemeinwohl!

Zurück zum Thema: Der fürsorgliche Familienvater James Sandind (Ethan Hawke) hat es durch den Verkauf von Sicherheitssystemen, mit denen sich die Bessersituierten in ihren Häusern vor den „Purgisten“ verbarrikadieren, zu einem beachtlichen Wohlstand gebracht. Aufgrund der Tatsache, dass ihr Haus einem Hochsicherheitsfestung gleicht, wähnt sich die Familie in Sicherheit und sowohl James als auch seine Frau Mary (Lena Headey) finden es legitim, dass ihre Nachbarn auf Jagd gehen dürfen. Doch als James‘ kleiner Sohn, einen auf der Straße herumirrenden und nach Hilfe flehenden verletzten Mann ins Haus lässt, gerät die Familie selbst in Gefahr. Eine Gruppe Jugendlicher in Schuluniformen will nämlich den Fremden haben und wenn sie ihn nicht bekommen, so drohen sie die gesamte Familie zu töten. Es beginnt ein Kampf ums Überleben.

In diesem durchsichtigen Schmonzettchen fällt es einem als Zuschauer ungemein schwer sich um das Leben der lieblos zusammengezimmerten Figuren zu sorgen, angesichts der mordgeilen Freaks in ihrem Haus. Gelegentlich kann man deren akuten Mordwunsch sogar sehr gut nachvollziehen. Schamlos wird man hier permanent für blöd verkauft angesichts der fadenscheinigen Sozialkritik, die mehr als bemüht und jämmerlich dilettantisch wirkt. Dabei drängt sich immer wieder die Frage auf, was Ethan Hawke nur dazu geritten haben möge. Nicht auszumahlen was den Machern dieses traurigen Moralkitschs zustoßen würde, wäre diese Nacht des Hobbymetzgerns tatsächlich in der Verfassung verankert.

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Bei einem Poduktionsbudget von lediglich drei Millionen Dollar, was in den USA low-budget ist und des immensen Erfolgs an der Kinokasse, ist eine Fortsetzung aber bereits in Planung – rette sich wer kann!

 

The Place Beyond The Pines

Neben einigen guten und vielen schlechten Filmen, die man so über das Jahr verteilt sieht, kommt man gelegentlich in den Genuss einem wahrhaft einzigartigen zu begegnen. The Place Beyond The Pines ist so ein seltenes Kunstwerk, das Stande ist einen tiefen Eindruck zu hinterlassen, der auch noch Stunden nach der Vorführung nachhallt. Glänzend erzählt zieht dieses nahezu makellose Zusammenspiel aus hervorragender Darstellung und ästhetischer Brillanz den Zuschauer in seinen Bann.

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Furios verwebt der Regisseur Derek Cainfrance die Leben zweier Familien über zwei Generationen miteinander und erzählt dabei die Geschichten von Gesetzlosen und Gesetzeshüter, Kindern und Eltern, Gefallenen und Helden und vor allem Liebenden, während er ein Tableau über die Schuld und Sühne spannt. Die mehreren, gewöhnlich anmutenden Schicksale scheinbar zufälliger Menschen laufen schließlich zu einer unvergleichlichen Einheit zusammen.

Mit einem atemberaubenden Ryan Gosling als Motorradakrobaten und Schausteller, der Banken auszurauben beginnt um für seinen Sohn sorgen zu können und einem geradezu fantastischen Bradley Cooper als Polizisten, dessen Leben durch Goslings Figur nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen wird. Das auf den ersten Blick vermeintlich gut oder böse wirkende Handeln der Menschen, wird im nächsten Moment durch eine weitere Perspektive umgedeutet. Dabei gelingt es Cainfrance keine Figur leichtfertig zu verurteilen, noch ergreift er Partei für eine, stattdessen seziert er einem stillen Beobachter gleich die Schicksale dieser Menschen.

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Nie wirkt der Blick vulgär oder voyeuristisch, stattdessen wird das Auge des Zuschauers behutsam und ohne jeden Kitsch auf die Schönheit im Alltäglichen gerichtet. Derek Cainfrance erschafft ein genreübergreifendes Meisterwerk, in dem monumentale Emotionen beiläufig erscheinen, jedes Element wichtig und unbeschreiblich schön. Eben weil es der Film vermeidet mit irgendwelchen banalen Belehrungen aufzuwarten, verlässt man das Kino tief beeindruckt.

Mit The Place Beyond The Pines ist den Machern eine epische Studie über das Menschliche gelungen.

 

***GEWINNSPIEL***

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Viel Glück!

 

 

Never stop drinking!

Baz Luhrmanns The Great Gatsby ist eine farbenfrohe Farce, die weder das Versprechen von Größe, echter Gefühle oder irgendeiner, wenn auch noch so mickrigen Relevanz einlöst.

Ein Film wie eine Überdosis Glitter, bei der die Macher es für eine besonders gute Idee hielten, gefühlt noch ein paar Tonnen Konfetti drauf zu kippen, frei nach dem Motto: Es muss nur bunter und lauter werden, damit das völlig reizüberflutete Publikum geistig geschwächt kapituliert und die schon beinah schändlich langweiligen Handlung übersieht.

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Doch auch trotz dieser zur Gänze überladenen Pein aus nicht enden wollender Party und Pracht bleibt das nichtssagende Flickwerk darunter noch traurig auffällig zu erkennen. Als wäre man live bei einer völlig außer Kontrolle geratenen Feierlichkeit zugegen, die man mit einem leichten Brechreiz verlässt.

Es ist die von Nick Carraway (Tobey Maguire) erzählte Geschichte von einem geheimnisvollen, superreichen, aber einsamen Playboy, der alles daran setzt zum mächtigsten Mann überhaupt zu werden, nur um seine ewige Liebe Daisy (Carey Mulligan) zu beeindrucken. Dieser Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio) kauft sich ein monströses disney-artiges Schloss, direkt gegenüber dem Anwesen seiner Flamme, in dem sie mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter lebt. Der Held schmeißt an jedem Wochenende verschwenderische Partys, in der Hoffnung Daisy würde kommen…

Dass das mal klar ist, der Alkohol fließt in Mengen und alle sind ständig voll – vielleicht die einzige Möglichkeit diesem etwas zu grell geratenen Potpourri aus Tanzeinlagen, Mord und süßlichem Melodram, in dem die Figuren wie bloße Abziehbilder wirken, auch nur etwas abzugewinnen. Aber die Beteiligten leiden – wirklich – brillantenbehangen in ihren riesigen Schlössern auf Long Island bei New York. Sie können sich nicht entscheiden, ob sie nun in den eigenen holzvertäfelten Hallen feiern oder im Plaza in Manhattan und man fragt sich bald, warum nur es einem selbst so schwer fällt sie um ihre Qualen zu bedauern.

Man kann sich nicht erwehren auszumalen, ob es nicht womöglich auch einzig unter der Einwirkung von Hochprozentigem zu alldem erst kommen konnte.

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F. Scott Fitzgeralds einzigartige Gesellschaftsstudie, gepaart mit einer bedingungslosen Liebe, die den Protagonisten an der Welt scheitern lässt, verkommt hier zu einem zu lang geratenen Musikvideo, bei dessen Entwicklung sich die Macher scheinbar mehr mit den Kostümen und der aufwändigen Wiederherstellung des New Yorks der Zwanziger als mit der eigentlichen Geschichte verlieren.

Vielleicht aber war ja überhaupt niemand in der Lage die unterschwellige Bedeutung dieses traurigen Machwerks zu erkennen. Vielleicht wollte uns Baz Luhrmann mit seinem völlig inhaltsleeren Film das innere Vakuum der Goldenen Zwanziger kurz vor ihrem Untergang mit der Weltwirtschaftskrise emotional nachvollziehbar machen.

Wir vermissen den Buz Luhrmann von Romeo + Juliet und Moulin Rouge – komm zurück!