VICTORIA: Interviews mit Hauptdarsteller Frederick Lau und Regisseur Sebastian Schipper

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Teil 1: Frederick Lau

Ich war nach dem Victoria Film richtig fertig, weil der einfach so spannend war und so mitreißend. Ich habe mich da gefragt, wie ging es euch nach den Takes? Wart ihr da auch körperlich völlig am Ende?

Ja, nicht nur körperlich, auch gedanklich. Ich habe den bei der Berlinale auch zum ersten Mal gesehen und wir hatten danach eine Premierenparty und die war glaub ich die schlechteste Party meines Lebens, weil ich einfach so geschafft war und nicht frei sein konnte. Es waren so viel Informationen, wir haben so viel erlebt und ich glaube, dass das einen wirklich schafft. Und so sitzt du auch als Schauspieler am Ende da und musst das erstmal verarbeiten. Und so war es nach dem Take und so ist es auch nach dem Film.

 

Wie viele Anläufe habt ihr denn gebraucht, um es im Kasten zu haben?

Wir haben den „One Take“ dreimal gedreht, beim ersten Mal war alles sehr korrekt. Wir haben uns alle ganz korrekt verhalten und versucht, alles in den Kasten zu kriegen. Man tastet sich so ein bisschen ran. Beim zweiten Mal sollten wir dann alles geben und aus uns herauskommen und haben da, glaube ich, ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen. Und beim dritten Take hat es einfach harmoniert und das war das Wichtige. Wir haben nicht mehr probiert einen perfekten Film zu machen, sondern dass jeder dabei verständlich ist. Nicht akustisch, sondern in Hinblick auf die Rollen.

 

Wie beeinflusst denn diese One–Take-Technik die eigene Darstellung? Hat man irgendwie mehr von sich selbst drin, weil man sich so in der Rolle verliert?

Ich glaube, das One-Take-Ding ist einfach so eine Aktion-Reaktion-Sache. Wenn mir also jemand was sagt, was ja in dem Moment ausgedacht ist, passiert ja in mir eine Reaktion darauf. Das heißt, würde er irgendetwas machen, hätte es eine Auswirkung auf das Ganze. Du hast eine direkte Aufnahme, die du direkt weitergibst. Es ist alles nicht konstruiert, sondern es ist so. Also wie das richtige Leben. Du hast keine Möglichkeit mehr darüber nachzudenken „Wie verhält sich deine Figur jetzt?“, sondern du verhältst dich.

 

Also waren die drei Takes dann auch nicht nur im Ton, sondern auch in der Handlung recht offen?

Wir haben diese Eckpunkte da, wohin wir gehen. Aber es hat sich immer etwas verändert. Ich habe auch um zwei Uhr nachts Sebastian Schipper angerufen und gesagt: „Für mich funktioniert das nicht, ich weiß nicht, warum ich [...] [Anm. d. Red.: um Spoiler zu vermeiden, wurde die Aussage hier etwas gekürzt]. Ich sehe das nicht“. Und wir haben immer probiert, daran zu arbeiten, dass wir eine Lösung finden und es für jeden stimmig ist. Für jeden, Laia Costa zum Beispiel, da war es oft so, dass sie noch geschwankt hat und nicht genau wusste „Wieso mache ich das eigentlich?“ Das war also eine stetige Arbeit, dahin zu kommen.

 

Wie switcht man denn so zwischen aufkeimender Liebe und dieser Todesangst hin und her? Das ist ja im wahren Leben nicht unbedingt so nah beieinander.

Es baut ja alles aufeinander auf. Und dieser Gedanke, den du hast „das und das passiert noch“, den blendest du aus. Du lässt im Prinzip alles neu mit dir passieren. Es ist schon anstrengend und auch schwer aber was will ein Schauspieler mehr? Es passiert ja etwas mit dir. Und klar, es gibt diese Vergleiche mit dem Theater, aber ich finde nicht, dass es wie Theater ist. Denn im Theater geht es um Darstellung, jeder ist groß, jeder muss dahinter noch erkennen, was du gerade fühlst. Und bei uns sind es ja Nuancen, es sind ja ganz kleine Segmente oder Gefühle, die wir dem Zuschauer zeigen können. Und das ist halt so schön, dass uns das Vertrauen von Sebastian geschenkt wurde, dass wir das so spielen dürfen und auch so anlegen, wie wir das anlegen.

 

Sebastian Schipper hat diesen One-Take-Versuch selbst als hirnrissig bezeichnet, also auch ein bisschen mit einem Lachen. Was war das Stichwort, das dir in den Sinn kam, als du das Angebot bekommen hast?

Ich habe auch nicht unbedingt dran geglaubt und dachte ich treffe jetzt ein paar Leute, die das etwas vorhaben, von dem ich noch nicht sehe, wie das umsetzbar ist. Ich glaube, ich hab dann einfach Sebastian vertraut. Ich habe schon auch gedacht, dass sie komplett verrückt sind, aber ich stehe auf so Verrücktheiten. Ich glaube das Wichtigste ist, dass wir nicht darüber nachgedacht haben, wie wir das hinkriegen. Es war klar, wir machen einfach.

 

Du sagst ja am Anfang im Film zu der Victoria „Wir zeigen dir jetzt das echte Berlin.“ Was ist denn Dein Berlin?

Mein Berlin reicht von Steglitz bis nach Neukölln. Ich bin so ein West-Berliner Junge. Was nicht mein Berlin ist, das kann ich sagen – wenn ich über die Oberbaumbrücke fahre und weiß auf einmal nicht mehr die Prenzlauer Allee und Danziger zu unterscheiden. Mein Berlin ist glaube ich, dass es frei ist und jeder dem nacheifern und das denken darf, was er will. Jeder darf auf der Straße singen, darf tanzen, darf das sagen was er will. Und das finde ich schön und multikulturell. Leute kommen hierher und bringen immer neue Eindrücke mit. Das finde ich wirklich toll an Berlin. Natürlich gibt es hier auch Verzweiflung aber es ist ja auch langweilig, nur das Schöne zu haben.

 

Freiheit hat ja auch viel mit Wild sein zu tun und bei Victoria schwingt da ja auch viel mit. Wie war das denn so früher als Kind, warst du eher so das Schlitzohr oder eher so der Lehrerliebling?

Ich glaube, dass ich mit den Lehrern auch ab und an ganz gut zurecht kam, weil ich gesagt habe, was ich denke. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass ich der Liebling war. Ich habe immer das gemacht, was ich will und durfte das auch und das finde ich auch wichtig. Ich glaube, wenn man sich traut Dinge zu tun und keine Angst hat, zum Beispiel nachts auf der Torstraße zu drehen. Und es ist dir total unangenehm und du denkst dir nur „warum mache ich das?“ Alle gucken, und darauf stehe ich gar, wenn andere so auf mich fixiert sind. Das ausblenden zu können, obwohl man beim Drehen vor Leuten, die man noch gar nicht kennt, immer einen Teil seiner Seele bloßlegen muss, kostet Überwindung. Aber ich glaube, dass ich das gut ausblenden kann, gerade, weil ich früher so frei sein konnte; oder weil ich das machen konnte, was ich wollte und meine eigenen Gedanken hatte.

 

Was ist denn Illegalste, das du jemals gemacht hast?

Naja, das darf man ja jetzt nicht sagen (lacht) …

 

Was ich am Film so toll fand, war unter anderem, dass er darstellt, wie Berlin heute für viele junge Leute ist. Gerade für Leute wie Victoria, die als Spanierin nach Berlin kommt und dann hier so ihre Jobs hat. Würdest du sagen, dass der Film für diese Generation repräsentativ ist?

Ja, repräsentativ und auch eine kleine Hommage, finde ich. Ich mag ja diese Leute, die da vielleicht zu viert zusammen auf der Bank sitzen und ihr Wegbier trinken und sich unterhalten und so ein bisschen in ihrer eigenen Welt sind. Und ich glaube, dass man die ganz gut so zeigt, aber auch in einem positiven Licht darstellt, nicht als irgendwelche Penner. Natürlich haben die alle etwas auf dem Kerbholz, aber das sind interessante Geschichten, die sie zu erzählen haben und die wollen dir ja nur Freude geben. Und das schaffen sie auch. Und ja, es gibt eine Menge junger Erwachsener, die allein gelassen werden in einer Gesellschaft die sehr Ich-bezogen ist. Diesen Gemeinschaftsgedanken, den darfst du eigentlich gar nicht mehr haben, diese Loyalität untereinander. Deswegen machen sie ja auch diesen Bankraub, weil sie sagen, „natürlich sind wir da, wenn da etwas kommt.“ Und diesen Gedanken auszuerzählen, das ist mir wichtig.

 

Bei der Berlinale habt ihr ja gesagt, dass ein Großteil der Dialoge improvisiert war. Dass es schon Proben gab, aber eben eigentlich dann eher um die Interaktion ging. Gab es denn etwas, das du in der Vorstellung dann gesehen hast bei dem du dir dachtest „Wie bin ich denn darauf gekommen“?

Ne, aber ich finde manche Sprüche ziemlich lustig und da kamen echt ganz gute Sachen heraus (lacht). Dann kommen so Sachen wie „Was heiß denn Späti auf Englisch?“ – „Ja, ähm, Late Night Shop!“ – „Nein, Late Night Shop ist was anderes“ (lacht). Ich finde das total schön und auch total charmant, dass alle so mit Händen und Füßen Englisch reden. Das macht es einfach schön. Viel besser, als wenn da alle mit ihrem perfekten Englisch daherkämen. Das wäre einfach nicht mehr so nah an der Wahrheit.

 

Der Film hat ja auch dank der Berlinale international viel Aufmerksamkeit bekommen. Wie sehr lockt dich das, jetzt auch mehr international zu arbeiten? Wie sehr lockt dich Hollywood?

Also Hollywood… ich bin ja eher ein Fan von dänischen Filmen. Ich brauche Filme und Produktionen, die noch was wollen und etwas erzählen. Da spreche ich auch mit Sebastian über andere Projekte. Ich will keine langweiligen Produktionen, in denen viele Stars mitmachen. Ich möchte lieber später sagen, „Guck mal, was für einen guten Film wir da gemacht haben. So einen richtig guten Gangster Film.“ (lacht)

Ich muss kein Star werden, ich will gute Filme machen. Und mit Victoria ist da wieder so ein Ding abgehakt, allein, weil ich dort mitspielen durfte.

 

Steht schon ein nächstes größeres Projekt in Aussicht?

Ja, ich drehe jetzt gerade in Prag einen 20er-Jahre-Film. Und dann mache ich mit Jollis Naber „Das kalte Herz“. Das ist ein Märchen, das ziemlich düster und böse wird, wahrscheinlich mit Moritz Bleibtreu. Das ist das, was jetzt erstmal ansteht.

 

Was ist denn mit deinen Kollegen aus „Victoria“, die Laia lebt ja eigentlich auch in Spanien, und die anderen sind alle aus Berlin?

Ja, die sind alle aus Berlin. Burak zum Beispiel ist ein ganz aller Freund von mir, Max Mauff wohnt auch hier, ist auch ein guter Freund. Franz kannten wir noch nicht, aber der wohnt auch hier in Berlin. Und wir freuen uns echt, dass dieses Experiment so geglückt ist und ich weiß noch ganz genau, wie wir uns getroffen haben, Wir wurden um zwei Uhr morgens abgeholt und da ging es dann los. Und saßen da und waren alle nervös, dass es irgendwie nicht funktioniert. Dass das alles so geglückt ist, das ist schon gut so. Ich freu mich echt., dass das Anklang gefunden hat.

 

Manchmal gibt es ja auch auf sozialer Ebene Rollen, die verteilt werden in so einer Gruppe. War das bei euch auch so? Gab es da den Quatschkopf oder den Ruhepol?

In den 140 Minuten, die wir da miteinander verbracht haben, haben wir schon ziemlich viel gelacht und ich glaube es war jetzt nicht so, dass es da irgendjemanden gab, der da Ruhe reingebracht hat. Das war nicht wirklich möglich. Es gab viel Gelächter, weil alle irgendwie ihre Nervosität wegreden mussten. Da hat jeder Blödsinn erzählt., um alle zu beruhigen — frei nach dem Motto „Es wird alles gut“.

 

War der Alkohol im Film echt?

Ich glaube ein Bier war mal echt. Aber ansonsten natürlich nicht, wir haben ja auch kein echtes Kokain genommen. Sonst könntest du ja auch nicht so richtig sterben (lacht).  Also ja, ein Bierchen war mal echt. Aber wir waren schon immer nah an der Wahrheit.

 

Wahrscheinlich nicht nur nah an der Wahrheit sondern auch am Wahnsinn.

Ja auf jeden Fall.

 

Wann war denn der Wahnsinn am größten?

Ich glaube beim Dreh, also der Wahnsinn war immer am Set und beim Dreh am größten. Danach war man immer ausgelaugt. Du kannst dann nichts mehr sagen, du bist dann einfach leer. Also selbst wenn dich dann jemand fragst wie der Urlaub war, du sagst dann einfach nur noch „gut“. So ist das.

 

Würdest du so ein Projekt noch einmal mitmachen oder sagst du dir, jetzt habe ich so etwas mal gemacht und damit ist es abgehakt?

Also ich bin im Grunde ein Freund von so langen Einstellungen, bei denen man mehrere Personen gleichzeitig beobachten kann. Aber ich denke trotzdem, das war jetzt das erste Mal und das letzte Mal. Aber das finde ich auch gut, dass hat man jetzt und das reicht dann auch. Es würde mir natürlich nochmal Spaß machen, aber ich glaube einfach nicht, dass es nochmal so vorkommt. Ich würde Victoria nochmal drehen, damit hätte ich kein Problem. Ich wüsste noch alles, was wir machen, wo wir hingehen.

 

Welcher Club war das eigentlich, in dem ihr da gedreht habt?

Das ist alles nachgebaut. Das war eine alte Garage oder ein Lagerraum. Aber es sieht ziemlich gut aus, finde ich.

 

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Teil 2: Sebastian Schipper

Im Film sagt Sonne relativ früh zu Victoria, dass er ihr „sein Berlin“ zeigen möchte. Was ist denn für Dich das „richtige“ Berlin?

Ich glaube im Zweifelsfall geht es in Berlin um die Leute — dazu gehören die Berliner und dazu gehören die, die dazugekommen sind: Westdeutsche, Spanier, Australier oder Amerikaner, und ich glaube diese Mischung macht es aus. Es geht weniger um den Ort als darum, auf der Straße sein und diese Leute zu treffen.

 

Und das wolltest du mit dem Film auch transportieren?

Ich habe keine Agenda und denke „das will ich jetzt mal mit dem Film machen“. Das ist ein Gefühl, dass man Instinkten folgt und denkt das ist jetzt richtig und das fühlt sich falsch an… und dem folgt man.

 

Heißt das, dass dieses Berlin in anderen Filmen etwas unterrepräsentiert ist oder ist es einfach das Berlin, das du selbst erlebst?

Nein, so denke ich gar nicht darüber nach. Ich bin kein Politiker und will nicht mein Parteiprogramm durchsetzen. Es gibt keinen Film, der sich das vornimmt — wir auch nicht — sondern das sind Dinge, die sich so ergeben.  Hinterher ist man immer schlauer und „hat sich das alles von langer Hand überlegt.“

 

War das eine gezielte Entscheidung, dass der Film eher aus der Perspektive von Victoria spielt?

Es ist alles eine gezielte Entscheidung. Ja, eben habe ich noch gesagt es ergibt sich alles, aber man entscheidet und überprüft auch immer. Es muss sich richtig anfühlen.  Das Gefühl, diese Geschichte lohnt sich zu erzählen, die finde ich selbst interessant. Und das entwickelt sich dann.

 

Wobei ja in einem ersten Treatment erzählt wird, die Figur Victoria sei unterentwickelt.

Ja, das stimmt so nicht, das war meine Cutterin, die auch dramaturgische Beraterin war. Sie hat das so provokant gesagt. Die Figur war schon da, nur noch nicht so weit, dass man gesagt hätte, die finde ich interessant, da habe ich Lust der zu folgen. Am Anfang war sie nur ein gutes Mädchen, das etwas Schlimmes macht. Das war aber nicht genug.

 

Wann im Prozess kam die Entscheidung, den Film in einer langen Sequenz zu drehen?

Das war schon ganz am Anfang. Das war die erste Idee glaube ich, sonst hätten wir den Film wohl gar nicht gedreht.

 

Und wie beeinflusst einen das, wenn man so ein Buch schreibt?

Es ist eher so, dass man es gar nicht schreibt. Man schreibt ein Drehbuch ja nur um es nachher zu schneiden, das gab es in diesem Falle nicht. Deswegen umfasst es auch nur zwölf Seiten.

 

Frederik sagte, dass es drei Anläufe gab. Liefen die alle glatt?

Die liefen glatt durch. Was auch immer sich hinter dem Begriff verbirgt. Es ist ja eigentlich ein Problem, wenn alles glatt durchläuft. Für mich läuft ein Fußballspiel glatt durch, das 0:0 ausgeht, nach dem alle sagen „wir wollen euch kämpfen sehen“. Das sollte nicht passieren. Man hört ja immer wieder „ja, das ist so ein bisschen James-Bond-mäßig, das ist so ein bisschen Der-Pate-mäßig“ das heißt aber immer, es ist so ein Film, aber nicht ganz so gut.  Und das war auch ein Gedanke von uns – wir wollten einen Film machen, für den es noch keine Referenzklasse gibt.

 

 

Aber man kann sich als Publikum an diese „industriellen Produkte“ gewöhnen und Kinofilme gucken, die wie Fertigpizza sind.

Ja, dann macht man das eine Zeit lang und plötzlich schmeckt es einem nicht mehr. Das sollte man nicht unterschätzen, denn sonst gehen die Leute nach Hause und gucken Serien.  Wenn man immer nur das produziert, was die Leute sehen wollen, dann geht irgendwann keiner mehr ins Kino. Man muss da schlauer sein. Marktforschung  — wenn man die Leute in den 50er Jahren gefragt hätte, ob sie wollen, dass die neuen Superstars ungewaschene Typen sind, die nicht singen können und nur ihre Töchter beglücken wollen, dann hätten alle ‚nein’ gesagt und es hätte Rock ´n Roll nie gegeben. Es müssen eben genau Sachen passieren, die die Leute nicht wollen, die nicht zugeschnitten sind.

 

Denkst du denn, dass solche Ansätze wie Eurer die Zukunft sein könnten und das Kino wieder interessanter machen?

Also ich hoffe, dass es da keine Nacheiferer geben wird. Das stünde unter keinem guten Stern. Wir hatten jetzt Anfängerglück und ich glaube nicht, dass es das so schnell nochmal geben wird. Technisch kann man das schon machen, aber ob daraus ein emotionaler Kinofilm wird… Also ich werde es nie wieder machen. Und es geht auch nicht um Nachahmungen einer Idee, sondern darum, etwas zu riskieren, alles auf eine Karte zu setzen und nicht zu sagen „Kino geht so“. Ich glaube, dass wir zu viele gute Filme haben, um es mal provokant zu sagen. Wir brauchen mehr schlechte Filme. Und ich glaube, jeder großartige Film hat die DNA von einem schlechtem Film. Im Kino geht es nicht darum, alles richtig zu machen.

 

Als mir erzählt wurde, dass ihr den Film in einem Rutsch gedreht habt, habe ich das erst nicht geglaubt. Wie muss man sich das vorstellen – seid ihr dann mit den Schauspielern und dem Kameramann einfach so durch die Stadt gelaufen?

Ja, sind wir.

 

Und habt ihr vorher sämtliche Straßen abgesperrt?

Zum Teil ja, zum Teil hatten wir aber auch nicht das Geld dafür, den gesamten Stadtteil zu sperren. Das wäre dadurch auch gar nicht unbedingt besser geworden.

Jeder der irgendwie Ahnung hat, sagt erstmal das geht nicht. Und wir haben auch damit gerechnet, dass wir zwei-, drei, vier-, fünf-, siebenmal schneiden müssen. Aber das mussten wir nicht.
Es war lustig — bei der Berlinale am Tag der Preisverleihung kam abends jemand zu mir und meinte: „Sebastian. Sag’ ehrlich, hast du geschnitten?“ – „Nee, haben wir nicht“ – „Ich habe vorhin jemanden getroffen, der hat gesagt, ich habe Informationen, dass es in dem Film drei Schnitte gibt.“ Und das fand ich so geil. Ich denke, dass es viele Verschwörungstheorien gibt. Und ja, wir hätten schneiden können. Ich weiß, dass es die Gerüchte gibt und ich weiß, dass es diese zwei, drei Stellen gibt, wo wir es hätten so hell machen können, dass man nicht sieht, dass wir geschnitten haben. Aber zu dem Film gehört eben auch, dass es mal ganz stockfinster ist im Treppenhaus. Und ich habe ja immer noch die diebische Freude, dass irgendwann mal jemand kommt, der es wirklich darauf anlegt und mit dem wette ich dann und sage: „Ach, wir lügen? Was wettest du?“

 

Ich habe jetzt auch mit ein paar Leuten gesprochen, die nicht wussten, dass es in einem Stück gedreht wurde. Und niemand würde nachfragen, sondern sagen, klar waren da Schnitte. Denn man nimmt es als Laie nicht als ungeschnitten wahr.

Ja das stimmt, das ist ja auch nur so ein Gimmick. Wir könnten uns ja jetzt hier auch 2 Stunden und 30 Minuten unterhalten und jemand filmt das. Dann sind es auch zweieinhalb Stunden. Aber das ist ja noch nichts. Deswegen taugt es auch nicht für das Guinnessbuch der Rekorde, denn du kannst auch einen zehn Stunden lange Film machen. Der ist bloß stinklangweilig.

Dass es ein Film wird — und das ist ja das, was man letztendlich nicht bemessen kann — und dass eine Emotionalität entsteht für viele Leute, das ist ja das Entscheidende und darum geht’s ja auch. Es ist ein Nebenprodukt, dass es in einem Stück gedreht wurde. Das ist der Gedanke, mit dem man reingeht, aber hoffentlich kommt man mit dem Gedanken nicht raus.

 

Was ist für Dich das nächste Projekt?

Ja ich habe ja jetzt noch etwas Zeit und bin gespannt und freu mich drauf, was als nächstes kommt.

 

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