EL CLAN: Interview mit Pablo Trapero

Pablo Trapero

 

„El Clan“ ist Dein erster Film, der in der Vergangenheit spielt und auch noch auf wahren Begebenheiten basiert. Was hat dich inspiriert, diese Geschichte zu erzählen?

Neben der Kriminalität dieser Familie und dem politischen Kontext der 1980er Jahre wollte ich vor allem ein Familienportrait zeichnen und diese Vater-Sohn-Beziehung darstellen. Das war meine größte Motivation und gleichzeitig meine größte Herausforderung.

 

Stand die Familie auch im Mittelpunkt der Berichterstattung, als der Puccio-Clan schließlich vor Gericht gestellt wurde?

Ja, die Familie wurde in den Nachrichten viel besprochen, weil sie nicht wie Kriminelle aussahen. Es war eine normale Familie, alle dachten, sie wären nette Leute. Viele Menschen aus ihrer Nachbarschaft und aus dem Freundeskreis wollten die Nachrichten erst nicht wahrhaben. Sie dachten, es müsse sich um einen Fehler handeln. Zahlreiche Freunde von Arquímedes Puccio besuchten ihn jahrelang im Gefängnis und boten Unterstützung an, weil es so schwierig war zu akzeptieren, dass sie diese Taten wirklich begangen hatten.

 

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Arquímedes Puccio selbst hat nie zugegeben, dass er schuldig ist.

Nein, er hat die Anschuldigung nie akzeptiert, er hat sich nie bei den Opfern entschuldigt. Er war nie zu einem einzigen Wort oder einer kleinen Tat zur Wiedergutmachung bereit.

 

Dein Film ist ein großer Erfolg in Argentinien. Gibt es ein Bedürfnis, dieses Kapitel der Geschichte wieder zu öffnen und die Wahrheit hinter diesen Verbrechen und Verbrechern aufzudecken?

Ich glaube, es geht eher darum, eine Familie zu sehen, die wie die eigene aussieht, aber doch ganz anders ist. Sie sind schließlich dafür berühmt, was sie getan haben. Der politische Kontext der Achtziger Jahre in Argentinien spricht immer noch ein großes Publikum an, aber was die Menschen eher interessiert, ist dieser Anstoß, nach dem Film über die eigenen Beziehungen nachzudenken.

 

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Über die Beziehungen innerhalb der Puccio Familie ist öffentlich wenig bekannt. Wie hast du die Charaktere für deinen Film entworfen?

Wir haben selbst nachgeforscht und viele Personen interviewt, die bei den Puccios zu Gast waren. Freunde, Verwandte, wir haben mit den verantwortlichen Anwälten und Richtern gesprochen und auch mit Journalisten, die damals über den Fall berichteten und mit Teamkollegen, die mit dem Sohn Alejandro Rugby spielten. Das hat uns geholfen zu verstehen, wie die Dynamiken innerhalb der Familie waren. Aber natürlich hatten wir keine Filmaufnahmen, wie es sie heute massig geben würde. Wir hatten jedoch Zugang zu Fotos und Akten der Familie. Damit haben wir die Dialoge und alles rundherum kreiert, immer basierend auf den wahren Tatsachen.

 

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Du hast gesagt, du möchtest den Patriarchen Puccio nicht so darstellen, dass sich Menschen mit ihm identifizieren können. An manchen Stellen wird er dann doch humanisiert, etwa wenn er mit seinen Töchtern spricht – ganz anders als in der Interaktion mit den Söhnen.

Arquímedes Puccio hat ganz anders mit seinen Söhnen geredet als mit seinen Töchtern. Das hat man auch in den Fotos gesehen. Die Mädchen hat er oft umarmt, zu den Jungen war er sehr viel distanzierter und sehr streng. Für die jüngste Tochter war das alles sehr schwierig. Sie war sehr jung und hat wahrscheinlich nie wirklich verstanden, was passierte, bis ihr Vater dann festgenommen wurde. Später hat sie ihren Namen geändert und lebt heute ein ganz neues Leben abgekoppelt von der Familie Puccio.

 

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Die Komplizen von Arquímedes Puccio stehen im Film nicht im Fokus. Was war deren Rolle in der realen Geschichte?

Zwei von ihnen standen Arquímedes sehr nahe und vor allem mit ihrer Hilfe war es den Strafverfolgern möglich, ihn zu verhaften, denn sie sagten gegen ihn aus und gaben alle Verbrechen zu.

 

Was sind Deine nächsten Projekte?

Gerade arbeite ich an zwei Projekten, die wieder auf wahren Begebenheiten beruhen. Ein Fall spielt in Argentinien und der anderen außerhalb. Worum es sich genau handelt kann ich noch nicht verraten.